Der härteste Job der Welt?

Diese nervigen Like-Sammel-Seiten haben es ja wahrscheinlich mittlerweile in jede Timeline 57x hineingespült – das wunderschöne Video über den härtesten Job der Welt, den einer Mutter. Hach, so toll, was Mütter alles leisten, und niemand, der es richtig schätzt, wow!

Ich finde das Video bescheuert. Ich finde, ich darf das. Ich bin ja schließlich Mutter.

Ich kann das auch genauer erklären: Jetzt haben wir uns das Video alle angeguckt und darüber nachgedacht, wie toll unsere Mütter das alles geleistet haben, ne? Haben sie ja auch. Also die meisten zumindest. Meine definitiv. Aber das Ding ist ja durch, die wenigsten unserer Mütter sind noch so richtig mit dem “Mutter sein”, von dem im Video geredet wird, beschäftigt.

Aber die meisten von euch sind in dem Alter, in dem der Freundeskreis so langsam anfängt mit Heiraten und Kinder kriegen und so. Also habt ihr ja doch noch welche, die ihr bewundernd anschauen könnt, weil sie 135 Stunden in der Woche ununterbrochen stehend arbeiten. Wahnsinn.

135 Stunden in der Woche, manchmal komplett ohne Schlaf?

Eine Mutter, die das tut, macht etwas falsch. Vielleicht kann sie gar nichts dafür, dass sie etwas falsch macht, weil sie ein mieses Umfeld hat, das sie nicht vernünftig unterstützt. Aber in jedem Fall ist es falsch. Quasi ununterbrochen auf den Beinen und im Schaffen-Modus sein ist für niemanden gut. Auch für die stärkste Mutter nicht. Sowas hält man nämlich nicht durch.

Also: Anstatt mal wieder 4 Minuten und 6 Sekunden für ein furchtbar gut konzipiertes Werbevideo zu verschwenden, plus anschließendem kurzen “Awwww, wie toll! Das muss ich sofort teilen!!!” – denkt doch mal kurz darüber nach, ob ihr vielleicht eine Mutter kennt, die tatsächlich zu viel arbeitet. Die zu wenig Unterstützung hat.

Sei es, weil sie alleine ist, wenig Familie um sich herum hat, ein Kind ein “Sorgenkind” ist oder ob sie einfach nur eine “ganz normale” Mutter ist, der das ganze Familienleben hin und wieder kurz über den Kopf wächst.

“Boah, ich find das voll toll, wie du das alles hinkriegst und so!”

Und dann fragt sie doch mal, wie es ihr geht. Und zwar so, dass das als Antwort einzig akzeptable “Gut, und dir?” nicht schon in der Frage mitschwingt. Und wenn die Antwort ein “Verdammt, mir geht es so furchtbar, aber ich muss ja funktionieren” ist, seid einfach kurz für sie da. Vielleicht reicht eine Schulter zum Anlehnen und Ausheulen, vielleicht sieht die Welt für sie ganz anders aus, wenn ihr das Baby mal kurz für ein Stündchen auf einen Spaziergang entführt.

Denkt mal an sie, wenn ihr ein wenig Zeit in eurem sicher auch furchtbar stressigen Jobleben habt. Fragt sie doch mal, ob sie gerne was mit euch und der Clique unternehmen möchte. Und versteht ein “Sorry, ich würde gerne, aber heute geht es nicht.” nicht als “Ey, ich bin Mutter, frag mich nie wieder!” sondern als “Wow, wie schön, dass du fragst, ich würde super gerne mitkommen, aber gerade heute kann ich wirklich keinen Babysitter finden, aber frag gerne einfach beim nächsten Mal wieder, bestimmt passt es dann besser.” Oder fragt, ob ihr die Kneipentour ganz ausnahmsweise mal in ihr Wohnzimmer verlegen wollt, weil es für euch wirklich viel einfacher ist, mal eben ein bisschen durch die Gegend zu fahren.

Ach, eigentlich ist es ganz einfach: Vergesst nicht, dass sie außer “Superwoman-Mama” immer noch eure Freundin, Kollegin oder Schwester ist. Dann seht ihr auch viel mehr von den wirklich coolen Seiten des Mama-Seins.

Eigentlich ist es nämlich der schönste Job der Welt.

Osterei-Hase

Frohe Ostern!

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