Ey, Unitymedia. Geht’s noch?

Heute beim Mittagessen: Es klingelt. Draußen steht irgendein muskulöser Typ mit Klemmbrett unterm Arm und Ausweis um den Hals. Ach wie fein, ein Vertreter.

Tür auf, folgende Unterhaltung:

Peter S: “Guten Tag, ich komme von Unitymedia und…”
Ich: “Vielen Dank, aber daran sind wir nicht interessiert.”
Peter S: “Nein nein, darum geht es gar nicht. Ich komme, weil Ihr Anschluss* defekt ist. Das müssen wir überprüfen.”
Ich: “Äh. Wir sind aber gar nicht bei Unitymedia.”
Peter S: “Nee, es geht um Ihren generellen Kabelanschluss. Der ist defekt und das muss repariert werden.”
Ich: “Wir haben aber gar kein Kabelfernsehen.”
Peter S: “Aber Sie haben ja einen Anschluss, und der muss repariert werden, wenn er defekt ist. Und das wurde uns gemeldet, deshalb müssen wir das überprüfen.”
(Ich bin nicht überzeugt. Macht ja nix. Muss ihn ja nicht reinlassen. An der Tür mach ich generell mal gar nix.)
Ich: “Äh. Ja. Hm. Ich kann Sie aber jetzt nicht einfach so reinlass…”
Peter S: “Doch, wir haben Wegerecht!” (Dabei dreht er seinen visitenkartengroßen Ausweis um, auf dem hinten ungefähr 20 Zeilen Text stehen, den ich aus 2m Entfernung nicht lesen kann. Wegerecht, hm. Also wir haben Wegerecht über die Einfahrt unserer Nachbarn, weil unser Haus quasi hinter ihrem liegt. Die Telekom hat das Recht, in unseren Garten zu laufen – nach Ankündigung! – weil da Anschlüsse liegen. Aber irgendein Typ von einem Fernsehanbieter, der in unser Haus will? Klingt komisch.)
Ich: “Äh aha. Ok. Aber das hier ist das Haus meiner Mutter und die ist grad nicht da, und ich kann Sie nicht einfach reinlassen.”
Peter S: “Können wir die anrufen?”
Ich: “Nee. Die arbeitet.”
Peter S: “Okay, dann gebe ich Ihnen meine Karte, bitte sagen Sie Ihrer Mutter, dass sie mich dringend anrufen soll, um einen Termin zu vereinbaren, das ist sehr wichtig!”

Er fragt noch “für die Unterlagen”, ob er denn beim richtigen Hauseigentümer ist (auch das nicht, scheint wohl ein ziemlich alter Datensatz zu sein) und wie wir fernsehen. Ich erzähle ihm, dass wir über DVB-T schauen (jaja, hätte ich nicht machen müssen) und schließe die Tür.


Wieder am Esstisch bin ich immer noch etwas verwirrt, schaue mir die Karte an, auf der “Medienberater” steht und frage Twitter, was das war.
Diverse Follower bestätigen mir, dass das eine böse Masche war und ich gut daran getan hab, den Kerl abzuwimmeln. @mahrko bestätigt mir, dass “Medienberater” die Unitymedia-Bezeichnung für einen Vertreter ist, @Pauneu schickt mir einen Link zu einer ähnlichen Masche. Offensichtlich (wenn auch wenig überraschend) ist es gängige Praxis, ein Recht auf Zutritt zur Wohnung zu behaupten, um einen tollen Gesprächseinstieg zu finden, der üüüberhaupt nix mit Verkaufen zu tun hat. Denn hat man so einen Medienberater mal in der Wohnung, wird man ihn nur schwer wieder los.

Eine ganz schön unverschämte Masche. Hätten wir Kabelfernsehen, wäre mir das vermutlich wesentlich weniger seltsam vorgekommen und ich hätte ihn reingelassen. Und wäre ich dann alleine gewesen, hätte ich mit Sicherheit alles unterschrieben, um den Schrank von Kerl so schnell wie möglich wieder aus meinem Wohnzimmer zu entfernen.

Also: Eine Beschwerde. Erst mal bei Unitymedia nachfragen, ob das so richtig ist. An den Twitter-Account schreibe ich “Einer Ihrer „Medienberater“ war gerade hier, verlangte, in die Wohnung gelassen zu werden, um einen „defekten Zugang“(?) zu überprüfen, das sei „Wegerecht“, dass ich ihn reinlasse. Frage: Sind solche Verkaufstaktiken von Ihnen autorisiert? Falls nicht: An welche Beschwerdestelle kann ich mich wenden?”

Da nicht sofort eine Antwort kommt, schaue ich auf der Website nach. Aha, eine Service-Hotline, 20 Cent pro Anruf. Kann man ja mal investieren, um seinem Ärger Luft zu machen. Nein, ich möchte keinen Vertrag abschließen. Nein, ich habe keine technischen Probleme. Ja, ich möchte den Kundenservice sprechen. Ich werde darauf hingewiesen, dass Vertragsdaten nur nach einer Identifikation herausgegeben werden können. Identifizieren kann ich mich, indem ich meine Kundennummer eingebe. Ach so, nett. Also keine telefonische Beschwerde.

4 Stunden später bekomme ich über Twitter eine Antwort von Unitymedia: “Hallo. Bei einer übergreifenden Hausstörung ist der Zugang in eine Nebenwohnung hilfreich. Gerne schauen wir für Sie nach. Evtl. haben Sie auch den Namen des Kollegen, da alle über einen Mitarbeiterausweis verfügen. Sofern Sie eine schriftliche Beschwerde einreichen möchten, bitten wir um Übermittlung Ihres Anliegens in schriftlicher Form mit dem Betreff: AN DIE BESCHWERDEABTEILUNG. Bitte senden Sie uns die benötigten Daten, wie Kd-Nr., Adresse, Namen und Geb.-datum per DM.^KO”
Ich antworte, dass es um ein Haus geht, keine Wohnung im Mehrfamilienhaus. Hier kann kein Nachbar-Anschluss überprüft werden. Per DM schicke ich meine Adresse sowie den Namen des Mitarbeiters, den Rest brauchen die nicht. Eine Antwort kam bisher nicht. Was sollen sie auch sagen? “Vielen Dank für Ihren Hinweis, wir weisen unseren Mitarbeiter darauf hin, dass ‘Wegerecht’ misstrauisch macht”?

Aber eine Beschwerde werde ich schreiben. An die Verbraucherzentrale. Vielleicht helfen viele solcher Beschwerden ein bisschen mit, dass weniger Leute auf so etwas hineinfallen. Reinlassen MUSS man nämlich niemanden. Außer die Polizei mit nem Gerichtsbeschluss.


FUN FACT!
Mein Internet ist ein bisschen lahm. 6M bei Netcologne, bei Gewitter gar nix, macht mich manchmal ein bisschen wahnsinnig. Also habe ich am Dienstag mit Oli überlegt, was für Möglichkeiten es gibt. Repeater für besseren Empfang weit weg vom Router, Nachfrage bei Netcologne, ob Upgrade möglich ist, oder eben Kabelinternet. Damit wollte ich mich in den nächsten Tagen mal ein bisschen ausführlicher befassen. Die Variante “Kabelinternet von Unitymedia” ist dann jetzt schon mal rausgefallen. Sehr fein, dann hab ich weniger zu überlegen. Vielen Dank!


* Gedächtniswiedergabe des Gesprächs. Ich weiß nicht mehr, was genau defekt sein und überprüft werden sollte. Aber vom Sinn her hatte es was mit dem Anschluss/Zugang zu tun.

Advertisements

6 thoughts on “Ey, Unitymedia. Geht’s noch?

  1. Pingback: Kabel Deutschland mit seltsamen Aquisepraktiken | steve-r.de

  2. Hallo Vera (du kennst mich als Winn),
    ich hatte im Mai des Jahres (in Berlin) einen ähnlichen Besuch, meiner hatte einen “Ausweis” von der Telekom. Und weil er schon in den ersten beiden Sätzen drei Dummheiten sagte, auch technisch falsche Aussagen machte, hatte er keine Chance.
    Meine Nachbarin hörte begeistert zu, wie ich jede seiner Behauptungen in der Luft zerriss, widerlegte und ihm Zutritt und weitere Infos verweigerte.
    Ausgangspunkt war – wie bei dir – dass mein Kabelzugang defekt sei …
    Ich durfte dann miterleben, wie meine Nachbarin mit einem “Hauen Sie ab!” ihm die Tür vor der Nase zuknallte, als er sich ihr zuwand … der war so doof, bei uns beiden gleichzeitig zu klingeln.

    Ich hab mich dann telefonisch bei meinem wirklichen Kabelanbieter beschwert/erkundigt, die waren interessiert, können aber nichts dagegen tun …

    Meine Idee ist, dass weder mein Besucher bei der Telekom angestellt (beauftragt) ist, noch deiner bei Unity Media, sondern dass das einfach Bauernfänger sind, die versuchen, einen Vertrag zu machen, indem sie mit der Behauptung einer Fehlfunktion starten.
    Allerdings ist die Reaktion von UM in deinem Fall nicht überzeugend … in meinem Fall bot mir mein Provider an, ohne jegliche Mehr- und Umstellungskosten auf die schnellere Leitung umzustellen, und zwei Tage später hatte ich die.

    Also, ich glaube nicht mal daran, dass diese Typen zu den Unternehmen gehören, für die sie sich ausgeben.

  3. Danke für den Artikel. Hatte gerade ein ähnliches Erlebnis. Zwei sehr freundliche Menschen kamen vorbei, weil sie sich meinen Kabelanschluss anschauen müssten. Den ich nicht habe. “Doch doch, Sie haben da so eine Box mit drei Anschlüssen.” – “Das stimmt, aber die liegt nur lose rum, da diese nicht an die Hausleitung angeschlossen ist, da ich nicht fernsehe.” – “Wir müssen uns diese trotzdem angucken…blabla…Kabelfaser…blabla. Sollen wir die Schuhe ausziehen?”
    Also lasse ich die beiden rein, weil ich denke, das könnte evtl. so seine Richtigkeit haben. Zeige den beiden den Anschluss, der von meiner Wohnwand versperrt ist und die beiden schauen sich diesen nicht einmal an. Dann kommt raus, dass die beiden (angeblich) von Unitymedia sind und mir ‘nen Vertrag andrehen wollen, der günstiger ist als mein Vodafone Internet Vertrag (woher wissen die, dass ich bei Vodafone bin? Möglicherweise haben die das Modem gesehen) und meine Restlaufzeit bei Vodafone übernehmen die auch noch. (Einer von denen bezeichnet sich selbst übrigens als Unitymedia Bezirksleiter. Klar. Bezirksleiter machen Hausbesuche.)
    Klingt alles schön und gut, aber ich bin ein wenig überrumpelt. Mehr blabla von denen von wegen Übernahme von wattweißich und Glasfaserverlegung und dass das ganze Haus einen neuen Glasfaseranschluss für alle Mieter bekommt.
    Als die beiden dann aber für den “Techniker” meinen Personalausweis brauchen, wirds mir zu bunt. Ich bin zwar vertrauensseelig aber nicht so naiv zu denken, dass die mir nicht nachher einen Strick draus drehen können, dass ich denen ja freiwillig meinen Personalausweis gegeben habe. Ich merke also, dass das alles nichts mehr mit meinem Anschluss zu tun hat und versuche ihnen zu erklären, dass ich etwas überrumpelt bin und mir das lieber erstmal selbst anschauen wolle – man könne mir die Unterlagen ja einfach hier lassen und ich schick diese bei Interesse dann per Post. “Nein, das geht nicht. Wir sind ja keine Vertreter. An die Zentrale kann man nichts schicken – dann müssten wir ja extra nochmal vorbeikommen.” Ich biete den beiden an, dass sie mir ja ihre Kontaktdaten dalassen können usw. Also werden alle Unterlagen von denen wieder eingepackt und das einzige, was sie mir dalassen, ist ein Flyer (der das günstige Paket, das die mir andrehen wollten nichtmal enthält, sondern ausschließlich teurere Pakete) und schreiben eine Telefonnummer darauf mit seinem Namen (Ibrahim), von dem ich nicht sagen kann, ob das nicht vielleicht einfach nur ein Vorname ist.
    Die beiden verabschieden sich freundlich, ich google “unity media vertreter an meiner haustür” und komme auf diese Seite.
    Daher nochmal danke für den Artikel und die beiden Kommentare.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s