6 Jahre…

6 Jahre ist es her, dass du auf die Welt gekommen bist. Heute Abend jedenfalls, jetzt gerade vor 6 Jahren war ich auf dem Weg in den Kreißsaal, damit die Geburt eingeleitet werden konnte. Im Krankenhaus war ich da schon gut 25 Stunden. Weil du zwar die Fruchtblase kaputtgetreten, dann aber beschlossen hast, dass du dir noch was Zeit lässt.
Und wie du dir Zeit gelassen hast. Um 18:40 warst du dann endlich da. Blau wie diese Ikea-Becher sagt deine Oma immer. Weil du dir die Nabelschnur beim Rumhampeln auch noch um den Hals gewickelt hast. Das hab ich aber gar nicht so mitbekommen.
Als ich dich gesehen hab, warst du rot, hast gebrüllt und mich dann verdattert angeguckt. Und dabei mit deinen Fingern gewackelt. “Spinne” hat Papa dich immer genannt. Weil du deine dürren, langen Fingerchen immer wie Spinnenbeinchen in die Luft gestreckt hast. Die waren übrigens das einzige dürre an dir, ansonsten warst du in den ersten Wochen ziemlich proper.
Deine kleinen, dünnen Fingerchen hast du dann fest in meine Brust gekrallt, als du das erste Mal getrunken hast. So als wolltest du sagen “Meins! Und wag es ja nicht, mir das wegzunehmen!”

Als du dann ein paar Wochen zuhause warst, hat sich das pummelige rausgewachsen und du warst das schönste Baby auf der Welt. Ja, das sagt jede Mutter. Aber du warst es wirklich.

Das erste Mal gedreht hast du dich am 23. Februar. Also richtig gedreht, nicht beim auf dem Bauch liegen den Kopf gehoben und dabei umgekippt, sondern auch andersrum. Und dann hast du bitter geweint, wenn es mal doch nicht geklappt hat.
Im Sommer hast du krabbeln gelernt, genau in den 2 Wochen, als dein Onkel und deine Tanten in Urlaub waren und dein Großvater beschlossen hat, mal eben abzuhauen. Du warst unser Sonnenschein in dieser komischen Zeit.

Dein erstes Wort war “heiß” (“heisssssssss”) im Winter 06/07, dabei hast du auf die Heizung gezeigt.

Neujahr 2007 bist du durch das halbe Wohnzimmer gelaufen. Einfach so, ohne vorher mal kurz darauf aufmerksam zu machen, dass du auch vorhast, woanders zu laufen als an Schränken und Tischen entlang. Und du warst so stolz, dass du es geschafft hast.

Dein Lieblingswort mit 1 Jahr war “Ladludlu”. Das hieß entweder Rasenmäher (weißt du noch, dieser rote Rasenmäher, den Oma&Opa dir zu Ostern geschenkt haben, der so einen entsetzlichen Lärm gemacht hat?) oder Rasensprenger. Also diese Blume, die man an den Gartenschlauch stecken kann und die dann Wasser durch die Gegend spritzt. Da hattest du großen Spaß mit im Sommer. Manchmal musste man dich davon wegschleppen, weil du dich einfach vor die Blume gestellt und unter dem eiskalten Wasser gestanden hast. Wenn man dich dann in ein Handtuch eingewickelt hat, weil du vor lauter Kälte schon blaue Lippen hattest, fandest du das immer ziemlich blöd.

Als du 2 warst, hattest du deinen ersten imaginären Freund, den Esel. Einen Namen hatte er nicht, er hieß halt “Esel”. Er war auch gar nicht immer bei dir, aber du hattest ihn sehr lieb. Er hat gerne verstecken gespielt. Und wir durften mitsuchen. Weißt du eigentlich, wie schwierig es ist, etwas zu suchen, was man nicht sehen kann? “Hier, guck mal, der Esel hat sich ein bisschen auf dem Sofa ausgeruht, jetzt will er wieder mit dir spielen” – “Neiiiin, das ist doch gar nicht der Esel” – oh Mist.

Deine Lieblingsspiele mit 3 Jahren waren “waruuum?” fragen und “Ich sehe was, was du nicht siehst”. Das “Warum?” habe ich irgendwann gar nicht mehr als so extrem wahrgenommen, es ist mir nur immer aufgefallen, wenn du meine Freunde mit Fragen gelöchert hast und die völlig erschöpft waren. Dir “Ich sehe was, was du nicht siehst” beizubringen, war gar nicht so leicht. “Ich seh nix und du siehs auch nix und das is ein Ball”. Hmm. Aber gespielt hast du das gerne. Besondern gern in Wartezimmern.

Mit 4 hast du angefangen, selbst zu bestimmen, was du anziehen möchtest. Bis heute sind das vor allem knallenge Hosen. Die sind ja auch wieder total in, auch bei Männern. Allerdings nicht bei Jungs in deinem Alter, wie wir bei der verzweifelten Suche nach Hosen, die du ok fandest, feststellen mussten. Aber zum Glück hat es dir noch nie etwas ausgemacht, in der Mädchenabteilung einzukaufen. Also hast du zum Namenstag 2010 eine knallenge, dunkelblaue Jeans bekommen, aus der Mädchenecke bei C&A. Von da an hast du darauf bestanden, dass diese Hose immer sofort gewaschen wird, wenn sie dreckig war. Damit du höchsten einen Tag lang eine andere Hose anziehen musstest. Mittlerweile hast du ein paar mehr enge Hosen, da ist das nicht mehr so schlimm. Kaputt sind sie aber immer noch nach spätestens 2 Monaten.

Im letzten Jahr hast du deinen besten Freund gefunden. Was für ein Glück, dass N in den Kindergarten kam, als deine beiden Lieblingsfreunde in die Schule gekommen sind. Ihr beiden seid unzertrennlich. Wenn ich dich in den Kindergarten bringe und N ist noch nicht da, bist du ganz enttäuscht. Wenn er aber schon da ist, fragt er vorwurfsvoll, warum du erst so spät kommst, so dass er ganz alleine spielen musste. Ihr seid entsetzliche Zicken und streitet euch ständig, was ihr spielen sollt, wenn N hier ist. Bis zu dem Moment des Abschieds. Also nicht Moment sondern Ewigkeit. Ihr zögert den Abschied nämlich immer furchtbar lang heraus, weil ihr euch gar nicht trennen wollt.

Im Sommer kommst du in die Schule. Du hast schon angefangen, ein bisschen zu lesen und zu rechnen. Lesen macht dir großen Spaß. Du kannst zwar noch nicht alle Buchstaben und brauchst lange, um ein Wort zu entziffern (und hast oft mittendrin keine Lust mehr), aber wenn du es schaffst, bist du ganz stolz. Und zählen kannst du! Als wir letztens nach Bonn gefahren sind, wolltest du wissen, bis wie viel zu zählen musst, bis wir da sind. 713 habe ich gesagt. Und gleich danach leise geflucht, weil ich ganz vergessen habe, dass du nicht mehr nur bis 20 zählen kannst. Bei 87 hast du Papa und mir gesagt, dass wir bitte leise sein sollen, weil du zählen musst. Bei 243 sind wir angekommen. So ganz klappt das mit dem Zählen noch nicht (“Einhundertdreißig, Zweihundertdreißig, Dreihundert… ach nee…”), aber das muss ja auch gar nicht sein.
Diskutieren kannst du auch ganz fein. Vorbei die Zeit, in der man dir einfach etwas sagen konnte und du hast es gemacht. Heute muss alles ausdiskutiert werden. Und nicht selten behältst du am Ende recht. Deine Lehrerinnen werden großen Spaß mit dir haben.

Jetzt ist es kurz nach 7, gleich wachst du auf, dann machst du dich über deine Geschenke her und dann gehen wir in den Kindergarten, mit einer riesigen Schüssel voller Törtchen. Ich werde auf der Arbeit wahrscheinlich ungefähr 7mal plötzlich in Tränen ausbrechen, weil ich es immer noch nicht so ganz fassen kann, dass es dich gibt. In den letzten 6 Jahren und 9 Monaten hat sich mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Aber alles andere wäre auch furchtbar langweilig gewesen.

Alles Gute zum Geburtstag, mein kleiner Löwe. Ich hab dich soo lieb!

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6 thoughts on “6 Jahre…

  1. Was für eine wunderbare Liebeserklärung! Vergiss nicht, sie irgendwo sicher zu speichern, damit der Bursche sie nie verliert!
    Alles Liebe!

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