Ein Exkursionstag an der Uni

Im Rahmen meines Theologiestudiums habe ich dieses Semester ein Seminar über die Caritas belegt. Da der Dozent Referent der Caritas ist, haben wir den Tag heute beim Diözesan-Caritas-Verband und in verschiedenen Einrichtungen verbracht, um ein bisschen mehr über die aktuelle Arbeit des Caritas-Verbands im Erzbistum Köln zu lernen.

Erstmal gabs wahnsinnig spannende Vorträge über die Verbandsstruktur, die Öffentlichkeitsarbeit etc. So spannend, dass ich, völlig verzweifelt über das Funkloch, in dem wir saßen, ein Selbstportrait (kann man nicht erkennen) und ein Bildchen von Adam Lambert (kann man mit viel gutem Willen ein bisschen erkennen) gekritzelt. Ja, irre interessant.

Kurz vorm Mittagessen gab es dann doch (viel zu kurz wegen Zeitknapptheit)was spannendes:

Balu und Du

“Balu und Du” ist ein deutschlandweites Projekt zur Unterstützung von Grundschulkindern. Lehrer können Kinder vorschlagen, von denen sie denken, dass sie ein bisschen Unterstützung gebrauchen könnten und wenn die Eltern einverstanden sind, werden die Kinder “Moglis”. Diese Moglis bekommen einen ehrenamtlichen Paten im Alter von 18-30, den “Balu”.
Dieser Balu trifft sich mindestens einmal in der Woche für einige Stunden mit seinem Mogli um gemeinsam zu spielen, bei den Hausaufgaben zu helfen, Ausflüge zu machen oder einfach nur zu reden.
Die Balus werden von ausgebildeten Sozialpädagogen fachlich begleitet.
Kontakt zu den Eltern ist nicht Teil des Programms und besteht nur, wenn er von den Eltern gewünscht wird.

Ich finde dieses Projekt wirklich klasse! Kindern, die aus sozial benachteiligten Familien kommen und zuhause eventuell nicht die Möglichkeiten bekommen, die sie brauchen, werden von jungen Menschen, die sie als Freunde und nicht als Betreuungspersonen ansehen, an die Hand genommen und begleitet.

Wer sich weiter informieren oder vielleicht selbst ein Balu werden möchte, findet hier ganz viele Infos.

Notschlafstellen und Drogenkonsumräume

Nach dem Mittagessen ging es dann weiter zur Kontakt- und Notschlafstelle mit Drogenkonsumraum des Sozialdiensts katholischer Männer am Hauptbahnhof.
Hier können drogenabhängige Obdachlose für einen geringen Betrag oder kostenlos Essen bekommen, es gibt eine Rechtsberatung, eine Notschlafstelle (im Andreaskloster) und einen Drogenkonsumraum.
In diesem Drogenkonsumraum (natürlich außerhalb der Öffnungszeiten, so dass niemand da war) hat uns der medizinische Betreuer der Einrichtung einiges über die Arbeit des SkM erzählt.

Auch dieses Projekt finde ich sehr spannend. Sicher kann man sich darüber streiten, ob man Drogenabhängigen die Möglichkeit geben soll, ihre Drogen zu konsumieren, aber ehrlich gesagt finde ich das so besser, als wenn sie sich auf einem Spielplatz ihre Spritze setzen. Für unbeteiligte Bürger, die es dann nicht mitkriegen müssen ebenso wie für die Abhängigen selbst, die es dann in einer sauberen, geschützten Umgebung tun können.
Wichtig für diesen Konsumraum ist, dass jede Form von Aggressivität und Dealen total verboten sind.
Wichtig ist aber auch, dass den Abhängigen keine Hilfe aufgedrängt wird. Sie bekommen dort nur einen Raum, saubere Spritzen und jegliche Form von Beratung, die sie selbst haben wollen, aber auch nur dann.

Auch im Notel in der Viktoriastraße wird nicht versucht, den Obdachlosen einzureden, was sie zu tun haben. Die Erfahrung zeigt auch, dass das gar nicht möglich ist.
Anders als im Kontaktraum des SkM ist aber jegliche Form von Drogenkonsum im Notel verboten, auch Alkohol ist dort nicht erlaubt. Im Notel gibt es ein warmes Abendessen, Duschen, Betten und morgens Kaffee. Frühstück gibt es dort nicht, das würde aber auch nicht in Anspruch genommen werden, da die Obdachlosen, die dort schlafen, morgens nur schnell rauswollen, um neue Drogen zu besorgen.

Ich fand den Tag sehr interessant. Vor allem fand ich es gut, dass deutlich wird, dass diese Einrichtungen zwar einen katholischen Träger haben, aber nirgendwo irgendeine Form der Missionierung betrieben wird. Es geht nur darum, Menschen, die es nötig haben, so gut wie möglich zu helfen.

Ein Zitat zum Abschluss (der Dozent sagte das, habe vergessen, von wem es ursprünglich kam), dazu, dass es Leute gibt, die sich beschweren, dass in Einrichtungen vom SkM zum Beispiel keine sichtbaren Zeichen der katholischen Kirche etc. sind:

“Ein Kreuz mitzutragen ist viel schwerer, als ein Kreuz irgendwo aufzuhängen.”

Weitere Infos zum SkM gibt es hier und speziell zur Kontakt- und Notschlafstelle hier, die Website des Notels fndet sich hier.

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